Tales of Vesperia – Review / Test

21 Sep

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Fans von japanischen Rollenspiele sind zur Zeit mit der XBOX 360 am besten beraten, da hier aktuell die meisten Spiele dieser Art vertreten sind. Aber ein wirkliches Highlight hat bislang noch nicht den Weg in die Nextgen gefunden. Weder ein Blue Dragon, noch ein Lost Odyssey oder Last Remnant konnten 100%ig überzeugen. Tales of Vesperia hingegen hat das Zeug zum ersten echten J-RPG-Highlight. Wie sich die neue Rollenspielhoffnung schlägt, erfahrt ihr in diesem Testbericht.

Tales of Vesperia spielt in einer Welt namens Terca Lumireis in der die Zivilisation abhängig von dem Blastia, einer uralten Technologie, ist. Die Technologie wird von der Regierung gesteuert und ermöglicht eine Art Schutzbarriere, welche die Städte vor Monsterangriffen schützt. Leider wird die Unterschicht von der Regierung stark vernachlässigt, was zu Unzufriedenheit im Volke führt. Als in der Unterschicht dann sogar die wichtige Blastiatechnologie gestohlen wird und die Regierung nur tatenlos zusieht, übernimmt der mutige und ehemalige Ritter Yuri die Initiative und begibt sich auf die Jagd nach dem Dieb.

Mehr zur Story möchte ich an dieser Stelle nicht mehr verraten, schließlich sollt ihr von nervigen Spoilern verschont bleiben. Fakt ist allerdings, dass ich bis jetzt in keinem japanischen Nextgen-Rollenspiel eine so gute Story erleben durfte. Die Geschichte ist nicht nur wunderschön und extrem spannend, sondern auch sehr humorvoll. Sicherlich wird einem vieles aus anderen Rollenspielen bekannt vorkommen, aber die Story hat auch viele Wendungen und Überraschungen parat, sogar jede Menge Sozialkritik ist vorhanden. Das gleiche gilt für die Charaktere auf die Yuri im Laufe des Spiels trifft. Manche erwecken die Wut im Spieler, andere wiederum Zaubern einem ein Lächeln ins Gesicht oder wieder andere Sorgen für Tränen in den Augen. In Tales of Vesperia wird man in diese zauberhafte Märchenwelt hineingezogen und möchte so schnell nicht mehr heraus. Und das ist auch eines der größten Komplimente die man einem Rollenspiel machen kann.

Doch gehen wir etwas näher auf das Gameplay, speziell das Kampfsystem, ein. Vielen wird es ein wenig bekannt vorkommen, denn es ähnelt Eternal Sonata ziemlich stark. Auch Tales of Vesperia kommt mit einem Echtzeit-Kampfsystem daher, welches dafür sorgt, dass die Kämpfe dynamischer und actiongeladener werden. ToV spielt sich dadurch quasi wie ein Mix aus Prügler und Rollenspiel, was frischen Wind ins Genre bringt. Natürlich spielt die Taktik aber immer noch eine sehr wichtige Rolle. Auf Wunsch kann man allerdings auch in den Automatikmodus wechseln, in dem die Figuren selbstständig nach der vom Spieler entworfenen Taktik agieren. Wie es sich für ein gutes Rollenspiel gehört, enthält Tales of Vesperia auch unzählige Tränke, Waffen, Rüstungen und Spezialfähigkeiten. Die Charakterentwicklung bei diesem Spiel ist enorm komplex und lässt das Herz vieler Rollenspielfans höher schlagen. Die so genannten Artes-Fähigkeiten stellen die wichtigsten Spezialfähigkeiten dar. Sie ermöglichen Heil- und Angriffzauber oder auch spezielle Schläge. Dank einer Shortcut-Funktion können sie sogar Schnelltasten zugewiesen werden, damit der Spieler sie wesentlich leichter abrufen kann. Überhaupt ist die Steuerung bei Tales of Vesperia super einsteigerfreundlich und wird Einsteigern keinerlei Probleme bereiten. Anders sieht es jedoch beim Schwierigkeitsgrad aus. Dieser ist etwas unausgewogen. Ein kleines Beispiel gefällig? Ziemlich früh im Spiel trifft man nämlich auf den stärksten Endboss im Spiel und die Savepoints sind teilweise etwas merkwürdig verteilt. Trotzdem zählt das Spiel verglichen mit anderen Genrevertretern zu den einfacheren J-RPGs und nach ein paar Versuchen geht auch der stärkste Endboss zu Boden. Rollenspieltypisch enthält ToV jede Menge Haupt- und Nebenquests und die Spielzeit ist riesig. Mindestens 80 Stunden wird man sicherlich beschäftigt sein. Die 60 Euro sind also prima angelegt.

Blickt man mal genauer auf die Rückseite des Spiels, fällt einem sofort ein für J-RPGs untypisches Feature auf: Ein Koop-Modus für bis zu vier Spieler. Dieser ist zwar sehr spaßig, aber im Grunde nur für Zwischendurch geeignet, denn lediglich in den Kämpfen kommen die Mitspieler zum Einsatz. Trotzdem ist es mal was neues, gemeinsam mit Freunden so ein Abenteuer zu absolvieren. Bandai Namco ist ja auch für etwas ungewöhnliche Downloadscontents bekannt, das trifft auch auf Tales of Vesperia zu, denn über den XBOX Live Marktplatz kann der Spieler gegen Microsoftpunkte Levelaufstiege, Items oder sogar Geldeinheiten erwerben. Für meinen Geschmack ist das etwas übertrieben und überflüssig, aber Anfängern kann dies andererseits auch aus der Patsche helfen.

Die Grafik von Tales of Vesperia ist die reinste Augenweide. Das Spiel verwendet einen ähnlichen Animelook wie in Eternal Sonata, der Unterschied liegt aber darin, dass man hier sogar echte Animesequenzen zu Gesicht bekommt und das Charakterdesign hier wesentlich hübscher ist. Kein Wunder, stammt es doch vom bekannten Mangakünstler Kosuke Fujishima, welcher sich auch für Oh My Goddess verantwortlich zeichnet. Die Schauplätze sind außerdem sehr abwechslungsreich und bunt gestaltet. Insgesamt überzeugt das Spiel optisch einfach auf ganzer Linie. Am Sound gibt es aber auch nur wenig zu bemängeln. Die Hintergrundmusik passt perfekt zum Spielgeschehen und die englische Sprachausgabe ist überraschend gut gelungen. Schade nur, dass man hier keine japanische geschweige denn eine deutsche Synchronisation auswählen kann. Immerhin ist das Spiel mit deutschen Untertiteln versehen.

Fazit:
Kurzum: Tales of Vesperia ist das zurzeit beste japanische Rollenspiel auf der XBOX 360. Das Spiel ist nicht nur extrem umfangreich, sondern bietet auch noch ein temporeiches Kampfsystem, sowie eine komplexe Charakterentwicklung. Die Story zählt mit zum Besten in diesem Genre, die Charaktere wachsen einem sofort ans Herz und der Animelook ist einfach wunderschön. Hinzu kommen eine gelungene Sprachausgabe, ein toller Soundtrack und zu guter letzt ein spaßiger Koop-Modus für Zwischendurch. Ich denke mehr kann sich ein Rollenspielfan nicht wünschen. Wer sich auch nur im geringsten für Rollenspielkost aus Fernost interessiert, muss sich dieses Spiel unbedingt zulegen.

9/10

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