Uncharted 2 – Review / Test

13 Okt

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Es ist soweit! Die nur schwer erträgliche Zeit des Wartens ist vorüber und das heiß ersehnte Uncharted 2 befindet sich endlich in unserem Testlabor. In den vergangenen Wochen machte das Spiel vor allem mit unglaublichen Wertungen auf sich aufmerksam. Das folgende Review soll aufklären, ob diese Ratings berechtigt sind oder es sich hierbei doch nur um einen typischen Grafikblender handelt.

Über die Story möchten wir bewusst wenig verraten, aber nur so viel dazu: Die Handlung ist für Videospielverhältnisse ausgesprochen filmreif und sehr spannend erzählt. So manch anderer Abenteuerfilm kann hier nicht mithalten. Dennoch sind einige Wendungen, wie schon im ersten Teil, leider zu vorhersehbar. Die komischen Dialoge sorgen hingegen für jede Menge Unterhaltung. Doch nun weiter zum spielerischen Teil…

Uncharted hatte damals das Problem, dass es sich zu eintönig gespielt hat, weil die Action zu deutlich im Vordergrund stand. In Puncto Gameplay konnte man auch nur wenig neue Akzente setzen, weil es sich zu stark an Tomb Raider und vor allem Gears of War orientiert hat. Im zweiten Teil hat sich dies zum Glück ein wenig verändert. Klar, die Actionszenen mitsamt dem Deckungssystem erinnern immer noch an Gears of War und auch die Klettereinlagen wecken Erinnerungen an Tomb Raider, aber der gesamte Ablauf gestaltet sich nun viel, viel abwechslungsreicher. So sind nun deutlich mehr Kletterpassagen vorhanden und mehr Rätsel gilt es auch zu meistern. Letztere sind allerdings nach wie vor alles andere als knifflig und mit logischem Verständnis leicht zu lösen. Einigen Elementen wie z.B. dem Kletter- und dem Nahkampfsystem konnte man sogar eine persönliche Note verpassen. Das Schießen im Laufen erfolgt nun etwas präziser und Drake kann erstmals auch im Hängen von seinen Schusswaffen Gebrauch machen. Neu sind auch die Stealthelemente, die an Metal Gear Solid oder Splinter Cell erinnern. Diese sorgen dafür, dass der Spieler nun selbst entscheiden kann, wie er das Ziel erreichen möchte. Man kann also, wie im Vorgänger, einen auf Rambo machen und alles niederballern, was sich bewegt, oder intelligenter und leiser vorgehen und zum Teil sogar einfach an gegnerischen Einheiten komplett vorbeiklettern. Diese Entscheidungsfreiheit macht Uncharted 2 zu einem viel intensiveren Spielerlebnis.

Abgesehen von dem eben erwähnten Kritikpunkt war der Vorgänger natürlich ein tolles Spiel und deshalb ist es umso erstaunlicher, dass der zweite Teil in fast allen Bereichen einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. Neben den Verbesserungen im Gameplay sind es vor allem die Schauplätze, die sich stark zum Positiven entwickelt haben. Während man im ersten Teil fast ausschließlich den Dschungel bereist hat, besucht Drake im zweiten Teil auch gefährliche Gebirge, ein türkisches Museum, ein tibetisches Dorf oder Stadttempel in Nepal. Dank einer spektakulären und dramatischen Inszenierung jagt ein „WOW!-Moment“ den nächsten. Einstürzende Gebäude, Verfolgungsjagden mit Helicoptern oder Panzern, packende Kämpfe im Zug oder riskante Kletterpassagen auf dem Himalaya sind nur einige Beispiele. Andere Franchises würden all diese spektakulären Szenen und Schauplätze wohl für mehrere Teile verwenden, Naughty Dog hat all dies jedoch in ein einziges Meisterwerk gepackt. Dies sorgt auch dafür, dass der Umfang stark zugenommen hat. Während man im Erstling (je nach Schwierigkeitsgrad) bereits nach fünf bis sechs Stunden den Abspann serviert bekam, geschieht dies nun frühestens nach zehn bis zwölf Stunden. Dank unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und 100 verstecken Schätzen ist zudem auch für noch mehr Wiederspielwert gesorgt. Der Schwierigkeitsgrad ist, vor allem durch die Stealthelemente, ein Stück härter geworden. Dank der grandiosen Steuerung, der perfekten Spielbarkeit und einer verbesserten Computer-KI, halten sich Frustmomente aber in Grenzen.

Von einem Action-Adventure erwartet man nicht unbedingt einen umfangreichen Mehrspielerpart, trotzdem möchte Naughty Dog den Spielspaß und die Langzeitmotivation mit einigen netten Mehrspielermodi versüßen. Die Modi sind in kompetetive (2 bis 10 Spieler) und kooperative Spielmodi (2 bis 4 Spieler) aufgeteilt. Zu erster Gattung zählen Varianten wie (Team-) Deathmatch, König des Hügels, Plünderer (eine Art Capture the Flag nur mit Schätzen) und Kettenreaktion bzw. Revierkampf, in denen einzelne Gebiete erobert bzw. gehalten werden müssen. Koop-Begeisterte erfreuen sich über die Modi Überleben, Goldrausch und Kooperativ. Während man im Letzteren einfach kooperativ einige Levels bestreitet, erinnert der Überleben-Modus stark an den Horde-Modus aus Gears of War. In Goldrausch geht es darum, den Computergegnern gemeinsam einen Schatz wegzuschnappen und diesen an einen bestimmten Ort zu bringen. Zu guter Letzt wird diese sehr beachtliche Anzahl an Spielmodi noch mit einem Machinima-Modus abgerundet. Die Umsetzung des gesamten Onlineparts ist dabei stets überzeugend. Zu Lags kommt es nur selten und dank eines umfangreichen Level- bzw. Belohnungssystems ist für genügend Wiederspielwert gesorgt. Uncharted 2 ist auch der erste Playstation 3 Titel, der von dem Twitter-Feature Gebrauch macht. Mit herunterladbaren Spielinhalten können Fans in naher Zukunft ebenfalls rechnen. Insgesamt kann sich dieser Onlinemodus also wirklich sehen lassen, viele hätten es diesem Spiel nicht zugetraut. Hut ab!

Visuell ist Uncharted 2 die reinste Augenweide. Die Jungs von Naughty Dog beweisen nämlich eindrucksvoll, dass man als Playstation 3-Besitzer nicht immer nur mit lieblosen Portierungen Vorlieb nehmen muss, im Gegenteil, so gut sieht kein Xbox360-Spiel aus. Plattformübergreifend ist Uncharted 2 ohne Zweifel der bislang schönste Konsolentitel. In nahezu allen Bereichen haben die Entwickler die Messlatte ein gutes Stück nach oben gelegt. Es sind aber vor allem die extrem hochauflösenden Texturen, die tollen Modelle und Animationen, sowie die wunderschönen Umgebungen, die das Herz eines jeden Playstation 3-Besitzers höher schlagen lassen. Umso beeindruckender ist die Tatsache, dass Uncharted 2 fast vollständig ohne Ladesequenzen auskommt. Lediglich vor und nach dem Hauptmenü muss der Spieler sich ein wenig gedulden. Eine Installation auf der Festplatte ist trotz der enormen Grafikleistung auch nicht notwendig und es versteht sich quasi von selbst, dass Uncharted 2 frei von Ruckeleinlagen ist. Aber dieses Spiel ist eben nicht nur ein Genuss für die Augen, sondern auch für die Ohren. Die Synchronisation ist, egal ob in der deutschen oder englischen Variante, super gelungen und die Dolby Digital Spur lässt es aus allen Ecken so richtig krachen. Das wirkliche Highlight ist aber der filmreife Soundtrack. Noch nie wurde ein Videospiel musikalisch so stimmig untermalt. Man ertappt sich oft dabei, wie man einfach nur das Hauptmenü laufen lässt und dieser tollen Musik lauscht. Großartig!

Fazit:
Ein perfektes Videospiel gibt es nicht und wird es auch niemals geben, aber Uncharted 2 zählt zu den wenigen Spielen, die verdammt nahe an die Perfektion rankommen. Man kann dem Titel im Grunde nur vorwerfen, dass es spielerisch das Rad nicht neu erfindet. Aber das muss es ja auch nicht unbedingt, wenn es in anderen Bereichen neue Maßstäbe setzen kann. Was die Optik, das Leveldesign, den Soundtrack und die Inszenierung betrifft, kann momentan kein anderes Konsolenspiel mit Uncharted 2 mithalten. Hinzu kommt, dass nahezu alle Fehler aus dem Vorgänger beseitigt worden sind. Die Spiellänge wurde erhöht, viele interessante Multiplayermodi hinzugefügt, der Kletter- und Rätselanteil hat zugenommen, die KI der Gegner wurde auch verbessert und überhaupt spielt sich das Game viel abwechslungsreicher als der Vorgänger. Es ist einfach das bombastische Gesamtpaket, welches Uncharted 2 zu einem ganz besonderen Spiel macht und allein für diesen Titel sollten all jene, die keine Playstation 3 besitzen, mit dem Kauf einer solchen liebäugeln. Hier haben wir es aller Voraussicht nach mit dem “Spiel des Jahres 2009” zu tun.

10/10

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