Divinity II: Ego Draconis – Review / Test

18 Nov

XBOX 360 Besitzer mit Hang zu westlichen Rollenspielen konnten in den vergangenen Jahren und Monaten nur auf die grandiosen Fallout 3 und Oblivion oder die technisch durchwachsenen Sacred 2 und Two Worlds zurückgreifen. Kürzlich erschienen jedoch mit Risen, Dragon Age Origins und Divinity 2 gleich drei vielversprechende West-RPGs innerhalb kürzester Zeit und letzteres haben wir in diesem Review genauer unter die Lupe genommen.

Die Handlung von Divinity 2 ist im Grunde schnell erklärt: Die Welt von Rivellon wird vom finsteren Herrscher Damian und mächtigen Drachen bedroht. Nur der Orden der Drachenritter steht dem Bösen im Weg und der Spieler schlüpft hierbei in die Rolle eines Drachenritter-Anwärters. Das Interessante dabei: Drachenritter sind halb Mensch, halb Drache und können auch die Gestalt eines solchen annehmen.

Divinity 2 zählt, wie seine Vorgänger auch, zum Action-RPG Genre, was nicht heißt, dass hier Dialoge und Geschichten vernachlässigt werden. Im Gegenteil, darauf haben die belgischen Entwickler der Larian Studios großen Wert gelegt. Divinity 2 ist kein 08/15-Rollenspiel und kann mit einer spannenden Geschichte, einer interessanten Erzählweise und interessanten Charakteren punkten. Die Dialoge sind alles andere als langweilig und mit einer guten Prise Humor versehen, ganz wie es sich für ein gutes West-RPG gehört. Das Kampfsystem von Divnity 2 ist sehr einfach gehalten, für ein Action-RPG aber angemessen. Schade ist jedoch, dass hier viel zu wenig Taktik gefordert wird. Die äußerst abwechslungsreichen Quests gleichen dieses Manko aber locker aus, vor allem, weil dem Spieler stets mehrere Lösungswege geboten werden und auch die Nebenquests interessante Aufgabenstellungen besitzen. Die dadurch errungenen Erfahrungspunkte sind, wie man es von Rollenspielen kennt, natürlich für die Charakterentwicklung notwendig. Diese ist bei Divinity 2 ausgesprochen frei ausgefallen. Der Spieler kann sich zwischen drei Klassen (Krieger, Waldläufer, Magier) entscheiden und den Charakter mit unzähligen Fertigkeiten und Talenten versehen, sodass man spielerisch auch wirklich einen Unterschied zu den anderen Klassen merken wird. Bedauerlich ist nur, dass man bei der optischen Individualisierung wenig Freiheiten hat und auch, wenn man sich in Divinty 2 auch für den bösen Weg entscheiden kann, bleiben zum Beispiel Diebstähle unbestraft. Ein super Einfall war hingegen das Gedankenlese-Feature, welches frischen Wind in das Genre bringt. Gleiches gilt natürlich auch für die Möglichkeit, die Form eines Drachen annehmen zu können. Die Welt von Rivellon ist angenehm groß und abseits des Mainquests gibt es nicht nur viele Nebenquests, sondern auch viele andere Freiheiten, mit denen man sich die Zeit angenehm vertreiben kann. Außerdem sind die Schauplätze auch sehr abwechslungsreich. Eines der größten Mankos von Divinity 2 ist hingegen die stellenweise fehlende Übersicht. Die Karte leistet keine gute Arbeit, denn oft weiß man gar nicht genau, wo man hin muss, um den Quest zu erfüllen. Gute Arbeit leisteten die Entwickler hingegen bei der Steuerung. Diese wurde prima vom PC auf die XBOX 360 portiert und nahezu fehlerfrei darauf angepasst. Mit einer Spiellänge von mindestens 40 Stunden, mit viel Luft nach oben, werden Rollenspielfans lange Zeit mit Divinity 2 beschäftigt sein. Einen Mehrspielermodus gibt es leider nicht, denn ein Koopmodus, egal ob lokal oder online, wäre doch eine nettes Features gewesen. Schade drum.

Nach Sacred 2 machte zuletzt auch Risen mit negativen Meldungen hinsichtlich der technisch durchwachsenen XBOX-Portierung auf sich aufmerksam. Auch Divinity 2 hat seinen Ursprung auf dem PC, hat die XBOX 360 Version also mit dem gleichen Problem zu kämpfen? Leider ja, denn Pop-Ups, nerviges Tearing, teilweise heftige Ruckler und verwaschene Texturen trüben den Spielspaß ein wenig. Verglichen mit Risen ist die Portierung aber viel besser geglückt. Abgesehen von diesen technischen Patzern sieht Divinity 2 nämlich an vielen Stellen sehr gut aus, für Rollenspiele ist es sowieso viel wichtiger, dass die Optik eine passende Atmosphäre vermittelt und dies gelingt dem Titel bravourös. Neben einer mitreißenden Atmosphäre ist es auch ausgesprochen wichtig, dass die Geschichten emotional und spannend erzählt werden. Die Synchronisation von Divinity 2 wird dieser Aufgabe gerecht und zählt zu den besten im deutschsprachigen Sektor. Und auch die wunderschöne Musik hilft enorm dabei, in die fabelhafte Welt von Rivellon einzutauchen.

Fazit:
Divinity 2 hat alles, was ein gutes West-RPG braucht: Eine spannende Story, interessante Charaktere, eine freie Charakterentwicklung, ein gutes Kampfsystem, eine riesige und atmosphärische Spielwelt, abwechslungsreiche Quests und eine angenehme Portion Humor. Wären da nicht die schlampige technische Umsetzung und die zum Teil fehlende Übersicht, hätte Divinity 2 eine deutlich höhere Gesamtwertung verdient. Trotz allem können Fans von westlichen Rollenspielen, bei denen die Grafik nur Nebensache ist, ohne jegliche Bedenken zugreifen.

8/10

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: