Dragon Age: Origins – Review / Test

22 Nov

Die Kanadier aus dem Hause Bioware zählen zu den absoluten Experten auf dem Rollenspiel-Sektor. Das haben sie mit grandiosen Titeln wie Mass Effect, Knights of the Old Republic oder vor allem Baldur’s Gate eindrucksvoll bewiesen. Kein Wunder also, dass auch das neueste Werk, Dragon Age: Origins, sehnlichst erwartet wurde. Nicht zuletzt, weil es auch einige Parallelen zu Baldur’s Gate aufweist und quasi als inoffizieller Nachfolger gesehen wird. Wir verraten euch, ob Dragon Age: Origins wirklich so ein sicherer Hit geworden ist.

Dragon Age: Origins spielt in dem Königreich Ferelden. Einst friedlich von Zwergen, Menschen und Elfen bewohnt, wird das Königreich nun von der Dunklen Brut bedroht. Der Spieler tritt im Spiel den Grauen Wächtern bei, deren einzige Aufgabe es ist, der Dunklen Brut entgegenzuwirken. Mehr zur Handlung möchten wir aber nicht verraten, schließlich solltet ihr diese epische Geschichte in vollen Zügen genießen können, denn nur selten erlebt man als Videospieler eine so mitreißende und spannende Geschichte. Einziger Kritikpunkt: Die Handlung erinnert stellenweise einfach zu sehr an die Werke von Tolkien, was viele wiederum auch als einen Pluspunkt auffassen können. Wie man es jedoch von anderen Bioware-Titeln kennt, kann der Spieler den Verlauf dieser Story stark beeinflussen. Gute oder böse Entscheidungen haben einen großen Einfluss auf die Geschichte, ebenso wie die Wahl der Rasse. Neben den Klassen Magier, Schurke und Krieger sind die Herkünfte menschlicher Adeliger, Magier, Stadtelf, Dalish-Elf, bürgerlicher Zwerg und adeliger Zwerg verfügbar. Jede dieser sechs unterschiedlichen Herkünfte hat einen unterschiedlichen Storyanfang, schon allein diese Entscheidung verändert also den gesamten Verlauf. Natürlich können auch in Dragon Age: Origins das Aussehen und die Attribute individuell angepasst werden und unzählige Fähigkeiten und Talente sorgen für eine umfangreiche Charakterentfaltung. Im Spielverlauf begegnet man interessanten Charakteren und manche von ihnen begleiten euch im Kampf. Insgesamt vier Charaktere passen in eine Gruppe und auch die Auswahl der Mitstreiter hat Auswirkungen auf das Spielgeschehen. Manche Begleiter können sich nicht riechen, während eine harmonisierende Party natürlich alles etwas einfacher macht. Ähnlich wie bei Mass Effect kann sich der Protagonist bei den unterschiedlichen Begleitern mittels Gesprächen, Entscheidungen oder Geschenken Plus- oder Minuspunkte verschaffen und Beziehungen, egal ob in homo- oder heterosexueller Hinsicht, sind möglich.

Beim Kampfsystem gibt es einige Unterschiede zwischen der PC- und Konsolenversion. In der PC-Fassung ist eine weite Perspektive verfügbar, die das Spiel eher an Baldur’s Gate erinnern lässt. Bei den Konsolenversionen hingegen ist die Perspektive wesentlich näher, wodurch das Ganze eher einem Knights of the Old Republic ähnelt. Aufgrund dieser unterschiedlichen Perspektiven und der übersichtlicheren Benutzeroberfläche ist die PC-Fassung viel taktischer und kniffliger. Natürlich ist aber auch auf der Playstation 3 und der XBOX 360 Taktik gefragt und das Kampf- bzw. Taktikmenü wurde super auf die Heimkonsole portiert und lässt sich sehr mit dem Ringmenü aus Mass Effect vergleichen. Mit einer Spielzeit von mindestens 60 Stunden kann sich der Umfang wirklich sehen lassen. Durch die überraschend abwechslungsreichen Sidequests und die unterschiedlichen Entscheidungen und Storyverläufe ist zudem für jede Menge Wiederspielwert gesorgt. Es gibt nur wenige Spiele, bei denen man nach dem ersten Durchgang direkt mit einem weiteren beginnen möchte, Dragon Age: Origins zählt allerdings zu dieser Art. Und wer von diesem grandiosen Spiel einfach nicht genug bekommt, der kann sich zusätzliche, herunterladbare Quests kaufen. Da Bioware angekündigt hat, Dragon Age bis zu 24 Monate nach Release mit DLCs zu versorgen, kann man sich also auf so manchen, interessanten Quest freuen. Natürlich möchten wir euch aber auch nicht die Schattenseiten von Dragon Age: Origins verheimlichen. Neben der eben bereits erwähnten, unübersichtlicheren Perspektive gibt es einige Kleinigkeiten, die den Spielverlauf einfach stören. Ein Diebstahl bleibt zum Beispiel unbestraft, bei der Umgebung hätten wir uns mehr Interaktionen gewünscht, die KI lässt stellenweise zu wünschen übrig und zu guter Letzt bleibt der Protagonist stumm.

Dragon Age: Origins basiert auf der gleichen Engine wie Mass Effect, welches immerhin schon zwei Jahre auf dem Buckel hat. Dennoch kann Dragon Age hinsichtlich der Animationen, Gesichtszüge, Texturen oder Landschaften nicht mit Mass Effect mithalten. Das Spiel sieht insgesamt immer noch gut aus, bleibt aber weit hinter seinen Möglichkeiten. Verglichen mit der PC-Version ist die Portierung auf die Konsolen zwar ganz gut gelungen, optisch muss man trotzdem einige Abstriche in Kauf nehmen. Doch keine Sorge, so katastrophal wie bei Risen ist die Umsetzung nicht geworden. Meisterlich ist hingegen die akustische Umsetzung geworden. Der Fantasysoundtrack passt wunderbar zum Geschehen und die deutsche Synchronisation ist prima gelungen. Lediglich einige Soundaussetzer trüben den Gesamteindruck.

Fazit:
Das Warten hat sich gelohnt! Dragon Age: Origins ist DAS Rollenspiel des Jahres und ein weiteres Meisterwerk der Rollenspielschmiede Bioware. In keinem anderen HD-Rollenspiel trifft man auf interessantere Charaktere oder eine packendere Story. Das Kampfsystem ist unglaublich komplex und die Entscheidungsfreiheit wieder mal unglaublich, ebenso wie der immense Umfang und Wiederspielwert. Aufgrund dieser Stärken geraten einige Mankos wie die “nur” gute Optik, die technischen Patzer oder kleinen Fehler im Spieldesign vollkommen in Vergessenheit und nicht nur Rollenspielfans müssen hier zugreifen. Danke, Bioware!

9,5/10

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