Bayonetta – Review / Test

16 Feb

Bei Genrefans stand Bayonetta vermutlich seit der Ankündigung auf der Most-Wanted-Liste. Die Allgemeinheit wurde aber erst durch Traumwertungen der Famitsu oder des EDGE-Magazins auf Bayonetta aufmerksam. Die folgende Review soll aufklären, ob es sich bei diesem schrillen Actionporno wirklich um einen der besten Spiele aller Zeiten handelt.

Normalerweise sollte man in einer guten und ausführlichen Review immer ein paar Worte zur Story verlieren. Im Falle von Bayonetta ist das jedoch nicht ganz einfach. Die Handlung ist nämlich alles andere als oberflächlich und durchschaubar und, wie das Spiel selbst, total abgedreht. Man wird teilweise sogar an einen “Mindfuckfilm” der Marke David Lynch erinnert. Grob gesagt geht es in Bayonetta aber darum, in der Rolle der gleichnamigen Umbra-Hexe den Grund für deren Auferstehung herauszufinden, Engelsgestalten in den Hintern zu treten und natürlich die Welt zu retten.

Doch zu welcher Art von Videospiel zählt Bayonetta überhaupt? Das Gameplay lässt sich am ehesten mit der Devil May Cry-Serie vergleichen. Es wird auch oft als billige Nachahmung dieses Franchises beschimpft, was jedoch völliger Unfug ist, weil es zum einen auch viel Neues zu bieten hat und außerdem auch von ehemaligen Capcom- bzw. Clover Studiomitarbeitern entwickelt wird, welche Resident Evil und Devil May Cry erst berühmt machten.

Und so steuert der Spieler Sexyhexie-Bayonetta durch unglaublich bunte und abgefahrene Welten, metzelt Engel nieder und tritt kolossalen Endgegnern der Marke Shadow of the Colossus oder God of War entgegen. Das intuitive Kampfsystem erlaubt es, dass der Spieler unzählige Moves miteinander verbinden kann. Praktisch: Im Ladebildschirm können diese ausführlich geübt werden. Die spektakulären Moves und Folterattacken zählen auch zu den absoluten Stärken des Spiels. So können zum Beispiel eine Guillotine oder auch eine Eiserne Jungfrau beschworen werden, was für eine noch überzogenere Action sorgt. Genial ist auch die Inszenierung der Fights, vor allem die grandios in Szene gesetzten Bosskämpfe müssen sich vor einem Primus wie God of War nicht verstecken. Der Actionanteil in Bayonetta überwiegt zwar deutlich, dennoch bekommt man es hin und wieder auch mit Schalterrätseln oder nervigen, weil recht hastigen Quick-Time-Events zu tun. Der Spielablauf von Bayonetta ist übrigens sehr linear. Obwohl das Kampfsystem unglaublich komplex und vielseitig ist, gehen die Moves prima von der Hand, weil die Spiel- und Bedienbarkeit hier seines gleichen sucht. Der Schwierigkeitsgrad hat es dabei aber wirklich in sich und erinnert etwas an die Ninja Gaiden-Serie. Aber auch hier ist das Spiel stets fair und wenn sich der Spieler von Anfang an das Blocken und Kontern angewöhnt, klappt das Ganze schon viel besser. Um den Kampf gegen die Engelsgestalten etwas zu vereinfachen, kann man sich natürlich, ganz wie man es von God of War oder Devil May Cry kennt, mit erhaltenen Orbs Heilgegenstände oder neue Waffen kaufen und diese aufrüsten. Mit einer Spiellänge von 15 bis 20 Stunden zählt Bayonetta vermutlich zu den längeren Hack`n`Slay-Titeln. Diverse versteckte Items, Charaktere und Challenges sorgen ebenso wie die höheren Schwierigkeitsgrade für einen enormen Wiederspielwert.

Optisch hinterlässt Bayonetta größtenteils einen klasse Eindruck. Wie man es von Titeln wie Okami oder Madworld gewohnt ist, kann man auch Bayonetta als eine Art Kunstwerk bezeichnen. Das gesamte Setting ist so herrlich schräg, detailverliebt und kunterbunt, zugleich aber auch extrem stylish und sexy. Kein anderes Spiel dieser Gattung lässt sich mit Bayonetta in dieser Hinsicht vergleichen. Während japanophile Gamer dieses Design vergöttern werden, wird es aber vermutlich auch viele westliche Gamer geben, die damit einfach nicht anfangen können. Objektiv betrachtet ist das Design zwar unglaublich kreativ, abgedreht und kunterbunt, aber eben auch sehr speziell. Untermalt wird das Spiel von einem Mix aus japanischer Pop/Rock-Musik und stimmigen Orchestralkängen. Die englische Synchronisation ist überraschenderweise gut gelungen, was bei japanischen Produktionen schließlich keine Selbstverständlichkeit darstellt. Zudem passt der britische Akzent perfekt zur Protagonistin.

Fazit:
Platinum Games liefern mit Bayonetta ein absolutes Meisterwerk ab. Das Unternehmen, das zum Großteil aus ehemaligen Capcommitarbeitern besteht, hat mit Devil May Cry quasi das moderne, fernöstliche Hack`n`Slay-Genre erfunden und nun mit Bayonetta eben dieses perfektioniert. Sowohl stilistisch, als auch spielerisch ist dieser Titel eine absolute Wucht. So viele kreative und abgedrehte Einfälle bekommt man in einem einzigen Titel nur selten zu sehen, zumal dieses Genre für seine Kreativität alles andere als berühmt ist. Aber trotz all des Lobes wird dieses schrille und äußerst japanische Design nicht jeden ansprechen. Jene sollten, trotz der enormen, spielerischen Qualität, vermutlich lieber auf God of War 3 warten oder zu Dantes Inferno greifen.

9/10

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