Yakuza 3 – Review / Test

17 Mrz

Am 26. Februar 2009 erschien in Japan ein Spiel, welches in aller Welt heiß erwartet wurde: Yakuza 3. Während sich die Reihe im fernen Ost wie geschnitten Brot verkaufte, floppten die beiden Vorgänger leider hierzulande. Dies war auch der Grund dafür, weshalb ein West-Release des dritten Teils in den Sternen stand. Über ein Jahr später hat SEGA aber Erbarmen gezeigt und das Spiel doch noch in Europa und den USA veröffentlicht. Der folgende Test zeigt, wieso sich das Warten gelohnt hat.

Die Yakuza-Serie ist vermutlich nur den wenigstens Gamern ein Begriff, deshalb möchten wir an dieser Stelle noch einmal kurz erläutern, was den Spieler hier gameplaytechnisch überhaupt erwartet. Für viele Gamer ist die Serie so eine Art kleiner Bruder der ruhmreichen Shenmue-Reihe, denn auch hier läuft der Protagonist durch eine fernöstliche Großstadt, folgt einer spannenden Haupthandlung oder verbringt seine Zeit mit Minigames, Shoppingtouren oder Unterhaltungen mit den Einwohnern. Die Kämpfe werden auch hier mit Martial Arts-Künsten ausgetragen, allerdings kann man in Yakuza auch Gebrauch von umherliegenden Gegenständen/Waffen machen, ganz wie man es aus SEGA-Klassikern wie z.B. Streets of Rage kennt. Die kinoreif in Szene gesetzten (und teilweise sehr langen) Zwischensequenzen erinnern ebenso an Shenmue, wie die zwischenzeitlich auftauchenden und von vielen gehassten Quick-Time-Events. Was Yakuza aber hauptsächlich von den Shenmue-Teilen unterscheidet sind die Action-RPG Elemente. Wie man es aus zahlreichen japanischen Rollenspielen wie zum Beispiel Final Fantasy kennt, besitzt auch Yakuza 3 mehr oder weniger zufallsgenerierte Kämpfe die, nach erfolgreichem Ausgang, für Erfahrungspunkte sorgen, mit denen der Spieler wiederum seine Fähigkeiten aufleveln kann. Grinden ist hier ebenfalls möglich und viele verschiedene Tränke oder Lebensmittel füllen den Gesundheitsbalken wieder auf.

Eine der absoluten Stärken von Yakuza 3 ist der unglaubliche Umfang. Folgt der Spieler ausschließlich der Hauptstory ist der Titel nach 15 bis 20 Stunden beendet. Dieser Teil macht allerdings höchstens 10% des gesamten Spiels aus. Der Großteil von Yakuza 3 besteht nämlich aus den sehr abwechslungsreichen Nebenbeschäftigungen. Man kann hier ganz gemütlich durch die beiden Städte Okinawa und Tokyo laufen und unterschiedliche Arten von Locations aufsuchen. Neben diversen Läden gibt es selbstverständlich auch verschiedene Restaurants oder Kneipen. Zahlreiche, sehr liebevoll umgesetzte Minispiele sorgen für eine noch höhere Langzeitmotivation. Beispiele gefällig? Der Spieler kann sich zum Beispiel in eine Spielhalle begeben und einen Sidescroller am Automaten zocken, den Golfplatz aufsuchen, in einer Bar Billard oder Dart spielen, die Bowlinghalle unsicher machen, in weiblicher Begleitung eine Karaokebar besuchen oder eine Partie Poker spielen. Und das sind nur einige Beispiele. Zusätzlich kann man aber auch insgesamt 123 Nebenmissionen absolvieren, versteckte Schlüssel suchen oder mit dem Handy besondere Schnappschüsse machen, um neue Fähigkeiten zu erlernen. Hier wird es einfach niemals langweilig und wenn man darauf aus ist, Yakuza 3 zu 100% zu beenden, wird man mindestens 60h mit diesem Spiel verbringen. Der Schwierigkeitsgrad ist im übrigen stets fair, verschiedene Schwierigkeitsstufen sorgen dafür, dass für jeden Spieler das passende dabei ist. Scheiter man öfters an einem bestimmten Endboss bekommt der Spieler sogar die Möglichkeit, für diesen einen Kampf den Schwierigkeitsgrad herunter zu senken. Das ist nicht nur vorbildlich, sondern sorgt auch dafür, dass so gut wie niemals Frust aufkommt und man sich ganz auf die riesige Welt konzentrieren kann. Die Steuerung stellt einem ebenso wenig ein Bein und geht ziemlich einfach von der Hand.

Was geschnitten wurde:
Natürlich ist Yakuza 3 nur ein Nischenprodukt, aber trotzdem weist die Serie eine große Fangemeinde auch in westlichen Gefilden auf. Viele Fans haben sich daher wahnsinnig darüber gefreut, dass der Titel, über ein Jahr nach dem Japan-Release, doch noch in Europa und den USA veröffentlicht wird. Die Freude wurde allerdings ein wenig getrübt, da SEGA offiziell bekannt gegeben hat, dass die westliche Fassung gegenüber dem Original “leicht” geschnitten ist. Jedoch nicht was die Gewaltdarstellung betrifft, es sind in diesem Fall inhaltliche Schnitte. Offiziell heißt es, dass die Hostessclubs, sowie ein Japan-Quiz entfernt wurden, in Wahrheit wurde aber noch wesentlich mehr herausgeschnitten. Das Intro wurde komplett geändert und von insgesamt 123 Nebenquests, die teilweise, wunderschöne Storys beinhalten, blieben letzten Endes nur noch 101 Nebenmissionen übrig. Es wurden also fast 20% aller Sidequests geschnitten! Da bleibt natürlich die Frage, ob das westliche Publikum mit den herausgeschnippelten Quests wenig hätte anfangen können, oder SEGA einfach nur zu faul war, diese zu übersetzen. Aber egal: Fakt ist, dass Yakuza 3 immer noch einen immensen Umfang besitzt und man locker 50 bis 60 Stunden mit diesem Spiel verbringen kann.

Yakuza 3 ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Ansprüche der Gamer, was die Grafik der aktuellen Konsolengeneration betrifft, immer weiter steigen. Als das Spiel vor einem Jahr in Japan auf den Markt gekommen ist, staunten viele über die tolle Optik dieses Spiels. Speziell die Animationen der Spielfiguren und deren Gesichtszüge waren ein echter Hingucker. Ein Jahr später haut Yakuza 3 aber leider keinen mehr so richtig vom Hocker, obwohl wir uns noch in der gleichen Konsolengeneration befinden. Die gerade angesprochenen Gesichtszüge können sich aber nach wie vor sehen lassen, es ist viel mehr die gesamte Umgebung die etwas altbacken wirkt. Trotz allem ist das technische Gesamtergebnis immer noch über dem Durchschnitt angesiedelt, weil die gesamte Welt von Yakuza 3 eben auch unglaublich detailverliebt gestaltet wurde und es überall, an jedem Werbeplakat etwas zu entdecken gibt. Der Sound ist hingegen absolut up-to-date. Der Soundtrack ist spitze und passt perfekt zum Yakuza-Szenario und die Synchronisation ist extrem hochwertig, allerdings auch nur in japanisch verfügbar. Zudem ist es erforderlich über ausreichend Englischkenntnisse zu verfügen, weil SEGA auf deutsche Untertitel verzichtet hat. Aber über diesen Punkt möchten wir auch gar nicht meckern, schließlich sind wir froh darüber, dass es dieser Titel überhaupt in den Westen geschafft hat.

Fazit:
Das Warten hat sich gelohnt! Auch wenn Yakuza 3 mittlerweile über zwölf Monate auf dem Buckel hat, kann es vollends überzeugen und stellt ein wahres Fest für alle japanophilen Videogamer dar. Technisch sieht man dem Titel zwar sein Alter an, dennoch hat das Spiel so seine optischen Lichtblicke und zählt noch längst nicht zum Durchschnitt. In Puncto Umfang ist das Game der reinste Wahnsinn und wird dank der vielen Minigames, Nebenmissionen und Orte, die es zu entdecken gibt, über Wochen hin beschäftigen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich dieses Spiel im Westen oft genug verkauft, damit SEGA den vierten Teil nachliefert, welcher bereits diese Woche im fernen Osten veröffentlicht wurde.

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