White Knight Chronicles – Review / Test

30 Mrz

Das japanische Entwicklerstudio Level 5 ist nicht nur für die sehr erfolgreichen Professor Layton-Titel auf dem Nintendo DS bekannt, sondern begeisterte auch mit weltklasse Rollenspielen wie Dark Cloud, Dark Chronicle, Dragon Quest VIII und Rogue Galaxy. Mit ca. 12 Monaten Verspätung erscheint ihr neuestes Werk White Knight Chronicles nun auch endlich in westlichen Gefilden und wir haben das Rollenspiel ausführlich unter die Lupe genommen.

White Knight Chronicles erzählt eine Geschichte, die man in etwas anderer Form leider schon in vielen anderen Rollenspielen erlebt hat. Im groben geht es hier darum, die Prinzessin zu retten und gleichzeitig auch den Mörder des Königs von Balandor zu finden. Ganz so belanglos, wie man es nun vielleicht vermuten würde, ist die Handlung insgesamt zwar nicht, verglichen mit Final Fantasy, Tales of Vesperia oder auch Lost Odyssey nimmt sie aber nur sehr langsam Fahrt auf und reißt den Spieler emotional einfach nicht so sehr mit. Trotz allem möchte man wissen, wie das Spiel ausgeht und viele interessante Charaktere haben auch ins Spiel gefunden.

Zu Beginn des Spiels erstellt man einen eigenen Avatar, dessen Aussehen man ganz nach belieben einstellen kann. Das interessante dabei: Diese Figur ist nur ein Nebencharakter, bleibt das ganze Spiel über still und ist primär für den Onlinemodus gedacht, welchen wir später genauer thematisieren. Das Aussehen des Avatars lässt sich erfreulicherweise an jedem x-beliebigen Speicherpunkt wieder reseten und der Spieler kann selbstverständlich auch die Kontrolle über die Maincharaktere übernehmen. Doch widmen wir uns mehr dem Gameplay zu, speziell dem interessanten Kampfsystem. Dieses erfolgt, wie in Final Fantasy XII, quasi in Echtzeit. Sobald sich der Angriffsbalken auffüllt, können Aktionen im Kampf ausgeführt werden. Der Übergang von der Spielewelt hin zu den Kämpfen erfolgt ohne lästige Übergangsvideos, sondern unmittelbar. Das Ganze erinnert also ziemlich an MMORPGs. Eigentlich ist das auch alles sehr positiv, das Problem ist aber, dass sich der eben genannte Angriffsbalken einfach viel zu langsam auffüllt und sich die Kämpfe damit unnötig in die Länge ziehen. Positiv ist dafür aber, dass sich die Aktionsleiste individuell anpassen lässt, indem man die unterschiedlichen Attacken/Zauber nach belieben einfügt. Neben unzähligen Items und Waffen, die sich auch aufbessern und sogar miteinander verschmelzen lassen, kann sich der Held Leonard auch in einen weißen Ritter verwandeln, welcher das Kampfgeschehen ordentlich auffrischt und alles viel actionreicher gestaltet. Mit jedem Levelaufstieg erhält der Charakter Fertigkeitspunkte, mit denen der Spieler neue Fähigkeiten und Angriffe erwerben kann. Gemessen an anderen Rollenspielen zählt White Knight Chronicles eher zur kürzeren Sorte. Die Mainstory ist nach höchstens 30 Stunden erledigt und hinzu kommt, dass der Titel insgesamt viel zu einfach ist, dadurch aber auch Anfänger anspricht. Das liegt zum Großteil auch an der, über weiten Strecken, tollen KI der Mitstreiter. Wählt man die Taktik “automatisch”, agieren die anderen Partymitglieder bereits nahezu perfekt, achten auf den Angriff, gleichzeitig aber auch darauf, dass man stets geheilt wird. So kommt es nur selten zu richtig harten Kämpfen, bei denen taktisches Vorgehen gefragt ist. Abseits der Mainstory bietet White Knight Chronicles aber, im Gegensatz zu Final Fantasy XIII, jede Menge. Man kann durch die hübschen Städte laufen, viele Shops aufsuchen, Unterhaltungen mit NPCs führen oder auch auf die Jagd nach seltenen Items gehen. Online können Rollenspielfans, in der Rolle des Avatars, sogar mit bis zu vier Spielern sehr kurzweilige Koop-Missionen bestreiten und dank dem Georama-Feature sogar eigene Städte aufbauen. Sony reicht regelmäßig sogar neue Missionen zum kostenlosen Download nach, wodurch sich die Anzahl der Missionen mittlerweile wirklich sehen lassen kann. All dies ist zwar auch offline möglich, aber mit KI-Mitstreitern kommt bei den Missionen einfach nicht viel Spaß auf. Kurz nach dem Release von Final Fantasy XIII wurde die WKC-Community jedoch sichtbar kleiner, weshalb es durchaus vorkommt, dass man lange auf einen passenden Spielpartner warten muss. Das Warten lohnt sich aber, denn es gibt nicht ohne Grund viele WKC-Spieler, die den Onlinepart weit über 500h gespielt haben. Wer auf der Suche nach einem guten Koop-RPG ist, muss hier unbedingt zugreifen.

White Knight Chronicles haut einen weder grafisch, noch akustisch vom Hocker. Man sieht dem Titel einfach an, dass es schon über 12 Monate alt ist. Die Animationen, Charaktermodelle und Texturen sind nicht up-to-date, dafür sehen die Landschaften aber sehr schön aus und auch die Architektur kann sich sehen lassen. Das Charakterdesign ist hingegen eher Geschmackssache und erinnert stark an die Final Fantasy Spiele, ist stellenweise aber viel zu ausgeflippt. Männliche Mitstreiter, die bauchfrei in den Kampf ziehen müssen nicht unbedingt sein. Die Cutscenes können natürlich nicht mit einem Final Fantasy XIII mithalten, sind aber trotzdem ausgesprochen gut gelungen. Lob gebührt auch der tollen englischen Synchro, die musikalische Untermalung ist ebenfalls ausgesprochen gut geworden. Bei japanischen Rollenspielen ist es ja leider oft der Fall, dass die Spiele nicht einmal über deutsche Untertitel verfügen. Im Falle von White Knight Chronicles trifft dies zum Glück nicht zu und die deutsche Übersetzung ist nahezu fehlerfrei. Da hat Sony gute Arbeit geleistet.

Fazit:
White Knight Chronicles ist leider zu einem falschen Zeitpunkt erschienen. Wäre es hierzulande, wie in Japan auch, bereits vor 12 Monaten auf den Markt gekommen, hätte es nicht nur spielerisch und technisch nicht mehr so angestaubt gewirkt, sondern, aufgrund des damaligen Mangels an J-RPGs auf der PS3, auch viel mehr Käufer gefunden. So wird es aber immer mit dem kürzlich veröffentlichten Final Fantasy XIII verglichen, welches vor allem audiovisuell und in Sachen Story in einer ganz anderen Liga spielt. Dennoch können Rollenspielfans, die von einer guten Portion Japanokitsch nicht abgeneigt sind, ruhig einen Blick riskieren, ein schlechtes Spiel ist WKC nämlich bei weitem nicht und allein der tolle Onlinemodus ist sein Geld wert.

8/10

3 Antworten to “White Knight Chronicles – Review / Test”

  1. Micha April 28, 2010 um 6:47 pm #

    Sehr better Blog – weiter so!

  2. Micha April 28, 2010 um 6:48 pm #

    hehe, ich meinte natürlich: netter Blog mit coolen Reviews!

Trackbacks/Pingbacks

  1. Whit Knight Chronicles PSP angekündigt « The Verdict - Juni 30, 2010

    […] hier auf Pineapple eine Review zum ersten Teil, der auch hier in Europa erhältlich ist. von → News, PS3, PSP […]

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