Red Dead Redemption – Review / Test

23 Mai

Was haben Gun, Call of Juarez und Dead Man’s Hand gemeinsam? Richtig, alle drei Spiele gehören dem Westerngenre an, vollends begeistern konnten sie aber nur wenige Spieler. Rockstar Games liefert nun mit Red Dead Redemption einen spielbaren Edelwestern ab, dem dies zu gelingen scheint.

Ganze sechs Jahre nach dem Erscheinen von Red Dead Revolver setzt Rockstar mit Red Dead Redemption die Westernreihe nun fort. In der Zeit hat sich viel getan, denn spielerisch unterscheidet sich RDR stark vom Vorgänger. War dieser noch sehr linear aufgebaut, ist Red Dead Redemption ein Open-World Game, also quasi ein GTA im Wilden Westen. Und auch storytechnisch haben die beiden Teile nur wenig miteinander am Hut. Der Spieler schlüpft dabei in die Rolle des Ex-Gauners John Marston, der von der Regierung beauftragt wurde, einen ehemaligen Bandenkameraden zu jagen. Dabei trifft er natürlich auf ziemlich schrille Charaktere und bereist eine 90 Quadratkilometer große Fläche. Neben sehr spannenden und abwechslungsreichen Hauptmissionen, die ca. 20 Spielstunden in Anspruch nehmen, besteht der Großteil des Spiels aus unzähligen Sidequests, Nebenbeschäftigungen und Minigames. So kann John zum Beispiel seine Zeit damit verbringen auf die Jagd zu gehen, eine Tätigkeit als Kopfgeldjäger auszuüben, Schätze zu suchen oder einfach nur im Saloon einen zu bechern und mit anderen Gaunern zu pokern. In diesem Spiel werden kaum Grenzen gesetzt und man kann nahezu alles machen, was John Wayne und Clint Eastwood in ihren Westernklassikern auch getan hätten. Im Übrigen kann man in diesem Spiel auch selbst entscheiden, ob man sich wie ein Gauner oder ein Held verhält. Wählt der Spieler den guten Weg, wird er vom Volk gefeiert, ist das Gegenteil der Fall, wird er von den Bürgern gemieden, hat dafür aber einen guten Draht zu anderen Schurken. Auch wenn die Welt Anfang des 20. Jahrhunderts weit fortgeschritten war und sogar schon die ersten PKWs existierten, ist diese Entwicklung im Westen noch längst nicht angekommen und daher dienen Kutschen und Pferde als Fortbewegungsmittel. Die Pferde lassen sich dabei so perfekt steuern, wie in keinem anderen Spiel zuvor und überhaupt spielt sich Red Dead Redemption trotz der vielen Möglichkeiten sehr angenehm und einsteigerfreundlich. Dank der so genannten Dead Eye-Funktion lassen sich die Gegner einfach in Zeitlupe über den Haufen ballern, das Deckungssystem ist zwar verbesserungswürdig aber ausreichend und die Checkpoints sind, verglichen mit GTA4, deutlich fairer verteilt. Wenn der Spieler mal ein Minispiel oder eine bestimmte Aktivität nicht so genau versteht, nimmt das Spiel einen an der Hand und erklärt alles bis ins kleinste Detail. Die Hauptstory geht, wie eingangs erwähnt, ca. 20 Stunden lang, wer sich genauer mit den ganzen anderen Aktivitäten beschäftigt, wird mindestens 50 Stunden mit diesem Highlight beschäftigt sein.

Red Dead Redemption bietet einige sehr interessante Multiplayermodi. Klickt man den Mehrspielermodus an, findet man sich zu Beginn in einem freien Modus wieder, welcher zugleich auch eine Art Lobby darstellen soll. Hier kann der Spieler sich auf der ganzen Karte so richtig austoben und es mit anderen Spielern aufnehmen, computergesteuerte Banden ausrotten oder an bestimmten Punkten die einzelnen Spielmodi starten. Neben (Team)Deathmatches gibt es auch Capture the Flag-artige Modi und Rockstar möchte im Laufe des Jahres sogar Coop-Missionen nachreichen. Im gesamten MP-Part verdient der Spieler sich außerdem XP-Punkte, mit denen er neue Outfits, Waffen und Gadgets, sowie schwierigere Modi freischalten kann. Wer nach den unzähligen Stunden im Offline-Part von dem Spiel einfach nicht genug kriegt, wird hiermit sicherlich für mehrere zusätzliche Wochen beschäftigt sein. Einzig die Performance ließ in den Testsessions etwas zu wünschen übrig, wird durch Updates aber bestimmt verbessert werden.

Erst kürzlich legte das Actionfeuerwerk Just Cause 2 die Grafikmesslatte im Open-World Genre weit nach oben. Rockstar gelingt es mit Red Dead Redemption aber zu kontern und diesen Punkt wieder für sich zu erobern. Zwar stören hier und da einige Pop-Ups und die Weitsicht ist auch nicht ganz so beeindruckend wie bei Just Cause 2, dafür begeistert der Titel aber in allen anderen Bereichen. Die Charaktermodelle samt Animationen sind erstklassig, die Physikengine lädt zu sinnlosen Spielereien ein, die Texturen sehen ebenfalls klasse aus und das Wichtigste, das Westernsetting, wurde so gut umgesetzt wie in keinem anderen Spiel zuvor. Der Wilde Westen in Red Dead Redemption wirkt einfach viel lebendiger als die tropische Insel in Just Cause 2. Ebenfalls referenzverdächtig ist der Sound ist Red Dead Redemption. Angefangen bei der, Rockstar-typisch perfekten, englischen Synchronisation, bis hin zur stimmigen musikalischen Untermalung und dem tollen Raumklang bleiben hier keine Wünsche offen. Westernfans können auf der XBOX 360 natürlich auch Gebrauch von eigenen Musikstücken machen und mit bekannten Westernsoundtracks lässt sich das gute Stück natürlich noch besser spielen. ;-)

Fazit:
Red Dead Redemption ist ein Paradies für all jene, die sich nach einem perfekten Westerngame sehnten. Aber auch Spieler, die sich gerne in riesige Welten vertiefen, werden kaum ein besseres Spiel finden. Red Dead Redemption ist einfach viel mehr, als nur ein GTA mit Westernsetting. Es spielt sich angenehmer, aber auch actionreicher und hat sogar viele interessante Ideen parat. Technisch ist es die neue Referenz im Genre und der Mehrspielermodus macht auch jede Menge Spaß. Rockstar hat sich mit diesem Spiel selbst übertroffen und das quasi selbst erschaffene Genre perfektioniert. Auch wenn ihr mit Western nicht allzu viel am Hut haben solltet, dürft ihr euch dieses Meisterwerk nicht entgehen lassen. Ein verdammt heißer Anwärter auf den Titel “Game of the Year 2010”!

10/10

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